kurze URLs: Ein gefährlicher Segen?

erstellt am: 21.06.2015 von Alex | Kategorie(n): Dienste | Schlagwörter: , , ,

Dieser Artikel erschien ursprünglich am 26. 10. 2008 in meinem allerersten Blog auf wordpress.com

Im Zuge meiner ersten Erfahrungen mit Twitter habe ich mich in den letzten Tagen vermehrt mit der Technologie beschäftigt, mit der sogenannte Kurz-URL-Dienste arbeiten. Mittlerweile gibt es verschiedene Anbieter, die die Möglichkeit bieten, normale, lange URLs zu kürzen und durch ein Format zu ersetzen, das ungefähr so aussieht: http://anbieter/code. anbieter ist dabei die Domain des Anbieters des Services, und der code steht für den codierten URL der Website. Diese Daten werden verknüpft mit dem richtigen URL in einer Datenbank gespeichert, sodass beim Aufruf des gekürzten URLs der richtige URL aufgerufen werden kann. Insbesondere bei Microblogsystemen wie Twitter sind kurze URLs sehr verbreitet, da man bei diesen Systemen nur wenige Zeichen zur Verfügung hat. Da bietet es sich an, stattdessen auf eine Webseite zu verweisen und dafür eine kurze URL (Short URL) zu verwenden.

So weit, so gut. Aber es gibt auch eine dunkle Seite bei kurzen URLs. Die Verwendung kurzer URLs birgt einige erhebliche Probleme:

  • Was passiert, wenn einer der Anbieter seinen Dienst plötzlich dichtmacht? Die Folge wäre, dass tausende oder mehr darüber generierte und in Diensten wie Twitter oder gar auf normalen Webseiten verwendete URLs plötzlich ins Nirvana weisen würden. Einen Vorgeschmack auf einen derartigen Super-GAU konnte man gestern morgen bekommen, als einer der Anbieter offenbar eine Zeit lang keine gültigen URLs produzieren konnte. In diesem Fall waren aber immerhin die bereits generierten URLs noch gültig. Unvorstellbar jedoch, wenn plötzlich alle URLs eines Anbieters ungültig wären. Selbst ein temporärer Ausfall der Datenbank wäre höchst unangenehm, denn damit würden die meisten Informationen, die in Microblogs wie Twitter veröffentlicht wurden, plötzlich komplett wertlos.
  • Für denjenigen, der eine Website über einen kurzen URL besucht, ist aber eine andere Gefahr noch viel größer. Er sieht nämlich nicht, was hinter dem kurzen URL steckt. Sowohl der Name des richtigen URLs wie auch der Inhaber der Domain bleiben ihm verborgen, bis er den kurzen URL und somit auch den richtigen URL aufgerufen hat. Woher soll aber eine Besucherin wissen, ob sie dem Poster einer kurzen URL oder der Website, die dahinter steckt, vertrauen kann? Auf der Website könnte sich statt des angekündigten Inhalts Malware oder auch illegaler Content befinden. Ohne Frage, die Nutzungsbedingungen der Anbieter der Kurz-URLs schließen eine derart schädliche Nutzung ihres in der Regel kostenfreien Dienstes natürlich unter Androhung von Sanktionen aus, und sie sind bemüht, schädliche URLs auch wieder aus ihren Datenbanken zu entfernen. Aber es ist davon auszugehen, dass dies nicht in allen Fällen und auch nicht immer sofort geschehen kann. Wenn dann so ein schädlicher URL auch nur wenige Stunden gültig ist und von vielen Menschen aufgerufen wird, kann er erhebliche Schäden anrichten.
  • Last but not least können sich diese kurzen URLs auch negativ auf die Sichtbarkeit einer Seite auswirken, wenn sie auf normalen Webseiten verwendet werden. Denn wenn eine kurze URL verwendet wird, können Suchmaschinen und Menschen nicht mehr erkennen, welche Website eigentlich verlinkt wurde. Von solchen Verlinkungen profitiert der Besitzer der verlinkten Website nicht. Zwar erhält auch er einen Link durch den Anbieter, aber der ist nirgends direkt abrufbar, sodass Suchmaschinen ihn nicht finden können. Aber selbst wenn diese Links von Suchmaschinen gefunden würden, würde der ursprüngliche Kontext, in dem sie gesetzt wurden, verloren gehen. Insbesondere der Kontext einer Verlinkung ist jedoch ein Kriterium, das für Besucher und Suchmaschinen wichtig ist. Dies gilt übrigens auch für Microblogs, die ebenfalls von Suchmaschinen erfasst werden.

Angesichts dieser Probleme sollte man mit dem Einsatz von kurzen URLs insbesondere auf Websites, aber auch in Diensten wie Twitter vorsichtig sein und eine kurze URL nur dann wählen, wenn der Platz wirklich nicht ausreicht. User sollten kurze URLs nur anklicken, wenn sie dem Poster einer kurzen URL wirklich vertrauen.

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2 Antworten zu “kurze URLs: Ein gefährlicher Segen?”

  1. Atari-Frosch sagt:

    Eine der (IMO) wenigen sinnvollen Anwendungen sind URLs, die auf Papier gedruckt werden sollen, also zum Beispiel auf einen Prospekt, ein Plakat, einen Brief usw. Insbesondere dann, wenn die originale Adresse sehr lang ist. Das erspart dem Empfänger dann Tipparbeit und reduziert die Gefahr von Tippfehlern gewaltig.

    Auf Twitter dagegen würde ich keinen zweiten URL-Kürzer zusätzlich zu dem, den Twitter sowieso schon verwendet, einsetzen. Twitter zeigt nämlich trotz des eigenen Kürzers t.co das eigentliche Ziel an. Mit einem weiteren Kürzer dazwischen sieht man das eigentliche Ziel nicht mehr, sondern nur noch den zweiten Kürzer.

    Um zu verhindern, daß der Kürzerdienst irgendwann verschwindet, kann man ja einen eigenen einrichten.

    Also ganz überflüssig sind sie nicht, aber in den meisten Fällen werden sie unnötig eingesetzt.

    • Alex sagt:

      Nein, ganz überflüssig sind sie nicht. Für Gedrucktes würde ich auch einen eigenen URL-Shortener empfehlen oder z. B. die Kurz-URL von WordPress, wenn die Website damit gemacht ist, und keinen externen. Das mit dem weiteren Kürzer ist manchmal leider nicht zu vermeiden, z. B. wenn man Artikel von Facebook nach Twitter postet. Da klemmt Facebook automatisch noch fb.me dazwischen.

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