Lebe ruhig digital – aber im eigenen Haus!

erstellt am: 14.06.2015 von Alex | Kategorie(n): Allgemein | Schlagwörter: , , , , ,

Dieser Artikel wurde ursprünglich am 24. 7. 2011 in meinem Blog Privatsphäre und Datenschutz im Web 2.0 veröffentlicht.

In letzter Zeit häufen sich die Berichte, dass Google – offenbar teilweise völlig willkürlich und ohne offensichtliche Verstöße gegen Nutzungsbedingungen – Google+-Accounts abschaltet. Im Zuge dessen berichten aber auch immer mehr User über die komplette Abschaltung ihrer Google-Konten inklusive GMail, Blogger und anderer Dienste. Ein User beklagt den Verlust von 7 Jahren seines kompletten digitalen Lebens.

Dieser Fall zeigt überdeutlich das Problem, das sich bei der Nutzung zentralisierter Dienste stellt. Ohne Frage, es ist praktisch und komfortabel, seine Mails und Dokumente an einem zentralen Ort zur Verfügung zu haben und von überall her darauf zugreifen zu können. Aber man macht sich eben auch abhängig vom Wohlwollen des Anbieters. Dies gilt insbesondere dann, wenn man alle Dienste bei einem einzigen Anbieter über einen einzigen Account nutzt, was bei Google durchaus möglich ist. Ohne Frage, auch das ist praktisch. Man muss sich nicht etliche Zugangsdaten merken und hat schnell Zugriff auf alles, Mails, Dokumente, Bilder. Aber wenn dann dieser eine Account dicht ist, ist auch der Zugriff auf alle Daten weg. Hat man in diesem Falle keine Backups, steht man schnell vor dem digitalen Nichts. Nicht nur, dass man keinen Zugriff mehr auf vielleicht beruflich wichtige Daten und Dokumente hat. Auch wertvolle persönliche Erinnerungen können verloren gehen, wenn das eigene Blog dichtgemacht wird oder der zentrale Fotodienst auf einmal den Zugriff verweigert.

Was kann man tun, außer natürlich regelmäßige Backups zu erstellen? Für die meisten Dienste gibt es komfortable Möglichkeiten, sie selbst zu hosten. Auf einem kleinen günstigen Webspace ist es kein Problem, eigene Mailkonten einzurichten und ein eigenes Blog zu betreiben. Viele Hoster bieten einen eigenen Webmail-Service, über den du auch von überall her auf deine Mails zugreifen kannst – auch wenn du Mails in der Regel mit einem eigenen Mailprogramm herunterladen sollten, um sie zu sichern. Auch zur Verwaltung deiner Fotos gibt es mittlerweile zahlreiche Webanwendungen, die du auf dem eigenen Webspace installieren kannst. Lediglich ein Ersatz für Dienste wie Google Docs stellt etwas höhere Anforderungen.

Selbstverständlich müssen auch auf dem eigenen Webspace eingesetzte Webanwendungen so eingerichtet werden, dass niemand unbefugt darauf zugreifen kann, und sie müssen gewartet werden. Und auch auf dem eigenen Webspace droht Datenverlust. Du musst dich also kümmern. Das ist durchaus eine anspruchsvolle Aufgabe, in die du dich einarbeiten musst. Oder du gibst die Wartung deiner Webanwendungen an einen Experten ab. Das ist natürlich mit Kosten verbunden. Auf keinen Fall solltest dich nicht darum kümmern. Nach dem neuen IT-Sicherheitsgesetz, bist du sogar dazu verpflichtet, deine Webanwendungen sicher zu halten. Wenn du dir das nicht zutraust, hast du immer noch die Möglichkeit, wenigstens eine kleine statische Website zu erstellen. Dabei kann nicht viel passieren.

Aber du bist Herr im eigenen Haus. Backups sind leichter und oft automatisierbar zu erstellen, und eine Sperrung des eigenen Webspace ist wesentlich unwahrscheinlicher als die Sperrung von Accounts bei Drittanbietern. Damit dein Webspace gesperrt wird, musst du schon schwere Sicherheitslücken in deiner Webanwendung haben, Urheberrechtsverletzungen begehen oder strafbares Material über deinen Webspace verteilen.

Ja, das kostet auch Geld. Aber die wenigen Euro, die etwas Webspace mit einer eigenen Domain kostet, sollte dir das Ganze schon wert sein.

Um zudem ein Maximum an Privatsphäre und Vertraulichkeit für deine Daten zu gewährleisten, wäre der Einsatz eines kleinen (virtuellen) Servers anzudenken, der zwar immer noch im Rechnenzentrum eines Anbieters steht, den du aber komplett selbst verwalten kannst. Dazu braucht es allerdings einiges an Know How zur Wartung des Systems, sonst ist das Risiko, dass deine Daten durch Sicherheitslücken kompromittiert werden, sehr hoch. Dieser Schritt will also gut überlegt sein.

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