Webdesigner werden ist nicht schwer – oder doch?
Zusammenfassung: Wie kann man gute Webdesigner erkennen? Diese Frage ist nicht
leicht zu beantworten. Im Folgenden möchte ich einige Vorschläge machen, welche Kriterien ein guter Webdesigner
erfüllen muß:
- Ein Webdesigner sollte sich nicht auf die Ergebnisse von WYSIWYG-HTML-Editoren verlassen, sondern sich umfassende Kenntnisse (X)HTML und CSS aneignen.
- Webdesigner sollten in der Lage sein, valides (X)HTML und CSS zu produzieren.
- Webdesigner sollten sich mit Suchmaschinentechnologie und Suchmaschinenpolitik befassen.
- Webdesigner müssen sich mit der Psychologie von Webseiten auskennen. Das bedeutet vor allem:
- Webdesigner müssen für eine angenehme und übersichtliche Wahrnehmung der Webseite sorgen.
- Webdesigner sollten Besucher einer Webseite motivieren können, möglichst lange auf ihr zu
verweilen.
- Webdesigner müssen wissen, welche Kommunikationsform wo auf einer Webseite angebracht ist.
- Webdesigner müssen Ahnung von der psychologischen Wirkung von Hypertexten und Hyperlinks haben.
- Webdesigner müssen wissen, wie man Grafiken sinnvoll auf Webseiten einsetzt.
- Webdesigner sollten die Grundlagen des barrierefreien Webdesigns beherrschen.
- Webdesigner müssen über den Sinn und Unsinn des Einsatzes von Scriptsprachen und proprietären Technologien
informiert sein.
- Webdesigner müssen wissen, wie Texte für Webseiten zu schreiben oder aufzubereiten sind.
- Webdesigner müssen über Fragen der Sicherheit von Webseiten Bescheid wissen.
- Webdesigner müssen auf jeden Fall neben technischem Sachverstand auch soziale Fertigkeiten für die Kommunikation und den Umgang mit Kunden mitbringen.
- Webdesigner müssen die rechtlichen Aspekte ihres Berufs kennen.
Auf der anderen Seite gibt es einige Dinge, deren Kenntnis für Webdesignern immer als
unbedingt notwendig vorausgesetzt wird, die ich aber für weniger wichtig halte:
- Webdesigner müssen keine Grafiker oder Komponisten sein.
- Webdesigner müssen kein Flash beherrschen.
Natürlich ist es leicht, all dies zu behaupten. Der nun folgende Artikel geht auf die genannten
Punkte näher ein und begründet jeden einzelnen davon im Detail.
Wie man gute Webdesigner erkennt
Webdesigner ist offenbar mittlerweile eine beliebte Nebenbeschäftigung geworden. Viele Menschen
scheinen sich zu sagen „Ich will Webdesigner werden! Das ist doch leicht verdientes Geld!“ Doch die
Realität sieht anders aus. Bedauerlicherweise tummeln sich auf diesem Gebiet inzwischen viele, die nicht allzu viel
Ahnung von der Materie haben. Etliche selbsternannte Webdesigner kaufen sich einen der gängigen HTML-Editoren und
klicken in wenigen Minuten Webseiten zusammen, die aufgrund der mangelnden Flexibilität der Editoren nicht valide oder
gar fehlerhaft sind.
Aus diesem Grund möchte ich einige Kriterien vorschlagen, die ein Webdesigner erfüllen muß.
Was ein Webdesigner können muß
Die hier genannten Kriterien erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Vielmehr sind sie als
Mindestanforderungen an einen Webdesigner anzusehen.
- Ein Webdesigner sollte sich nicht auf die Ergebnisse von WYSIWYG-HTML-Editoren verlassen, sondern sich umfassende Kenntnisse (X)HTML und CSS aneignen
: Nicht selten kommt es vor, daß Webdesigner HTML-Editoren zu Hilfe nehmen, um Webseiten zu entwerfen. Viele
HTML-Editoren versprechen einem dabei das Blaue vom Himmel herunter. Man kann damit angeblich Webseiten in fünf Minuten
ohne HTML-Kenntnisse erstellen. Das Ergebnis ist meistens entsprechend unbrauchbar. Die Seiten sind nicht valide und
strotzen nicht selten vor Fehlern. Auf CSS wird in vielen Fällen ganz verzichtet (was auch teilweise durch falsche
Handhabung der Editoren durch den Webdesigner verursacht wird). Stattdessen landen sämtliche Gestaltungselemente im
HTML-Teil, was zu zahlreichen Problemen führt, wie z. B. einer mangelhaften Barrierefreiheit einer Webseite. Deswegen
sollten Webdesigner von solchen Programmen Abstand nehmen und sich viel mehr selbst umfassende Kenntnisse in (X)HTML
und CSS aneignen. Wohlgemerkt: Es spricht nichts dagegen, bei der Erstellung von Webseiten auf Hilfsmittel
zurückzugreifen. Dafür gibt es mittlerweile beispielsweise einige gute Content Management Systeme (CMS), die dem
Webdesigner eine große Hilfe sein können. Webdesigner sollten aber trotz allem wissen, was sie tun und sich mit
Ihrem Handwerkszeug auskennen.
- Webdesigner sollten in der Lage sein, valides (X)HTML und CSS zu produzieren.: Immer wieder höre ich, daß Webseiten nicht valide sein müßten und es nur darauf ankäme, daß sie auf allen Browsern
gut aussehen. Ebenso häufig wird behauptet, es sei aufwendiger und somit teurer, valide Webseiten zu erstellen. Beide Behauptungen sind schlicht falsch. Die Annahme, die Erstellung valider Webseiten sei aufwendiger,
mag kurzfristig gesehen in manchen Fällen zutreffen. Dies gilt aber auch insbesondere dann, wenn der Webdesigner zu wenig von Validität versteht und sich erst einarbeiten muß. Valide Webseiten sind auf lange Sicht
jedoch viel leichter zu pflegen und an neue Browser-Generationen anzupassen als nicht valide Webseiten. Dies spart viel Zeit und somit Geld ein. Auf lange Sicht gesehen profitiert der Kunde also von Validität vor
allem auch rein finanziell. Zudem ist die Validität einer Webseite eine wichtige Voraussetzung für den Abbau von Barrieren.
- Webdesigner sollten sich mit Suchmaschinentechnologie und Suchmaschinenpolitik befassen: Die
Optimierung von Webseiten für Suchmaschinen wird immer wichtiger. Es reicht nicht mehr, eine Webseite ansprechend
zu gestalten. Im Dschungel des Webs wollen Kunden auch gefunden werden, und dies wird bei einer steigenden Zahl von
Webseiten immer schwieriger. Daher müssen Webdesigner auch dafür sorgen, daß die Webseiten ihrer Kunden für
Suchmaschinen optimiert sind. Dazu gehört, daß sie zumindest in groben Zügen wissen, wie die wichtigsten
Suchmaschinen aufgebaut sind und wobei es bei der Optimierung für eine bestimmte Suchmaschine oder auch mehrere
ankommt. Der Webdesigner muß legale von von Suchmaschinenbetreibern verbotenen Optimierungstechniken unterscheiden können. Die Voraussetzung
dafür ist, daß der Webdesigner die Politik der wichtigsten Suchmaschinen genau verfolgt. Webdesigner müssen
wissen, was eine Suchmaschine unter Spamming versteht, wie sie damit umgeht und wie man Suchmaschinen-Spamming vermeidet.
- Webdesigner müssen sich mit der Psychologie von Webseiten auskennen: Die technische Umsetzung von
Inhalten in eine Webseite ist nur die eine Seite der Medaille. Genauso wichtig ist die psychologische Wirkung einer
Webseite auf den Besucher. Ein Kunde möchte natürlich, daß ein Besucher möglichst lange auf seiner Webseite verweilt.
Um dies zu erreichen, gilt es für Webdesigner auf der psychologischen Ebene einiges zu beachten:
- Webdesigner müssen für eine angenehme und übersichtliche Wahrnehmung der Webseite sorgen:
Webseiten, die zu grell, zu kontrastarm oder zu unübersichtlich gestaltet sind, sind für den Besucher unattraktiv.
Deswegen müssen Webdesigner auf eine kontrastreiche, für die Augen angenehme Farbwahl achten. Darüber hinaus müssen
Webdesigner Webseiten so gestalten, daß sich der Besucher zurecht findet. Dazu gehört vor allem eine gut strukturierte
Link- und Navigationsstruktur.
- Webdesigner sollten Besucher einer Webseite motivieren können, möglichst lange auf ihr zu
verweilen: Webseiten, die nur wenig interessante Inhalte bieten, sind langweilig und werden von Besuchern
schnwell wieder verlassen. Dies kann nicht im Sinne eines Anbieters sein. Webdesigner müssen daher wissen, wie man
Besucher dazu motivieren kann, auf einer Webseite länger zu verweilen.
- Webdesigner müssen wissen, welche Kommunikationsform wo auf einer Webseite angebracht ist: Über
eine Webseite soll auch mit dem Besucher kommuniziert werden. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten wie Mail, Foren, Blogs
oder Chats, um nur einige wenige zu nennen. Ein Webdesigner sollte wissen, welche Form der Kommunikation für welchen Zweck geeignet ist. So ist ein
Chat zur simplen Kontaktaufnahme weniger geeignet als Mail, aber für die intensivere Diskussion eines Problems dafür um
so mehr. Der Webdesigner sollte daher die Unterschiede zwischen synchroner und asynchroner Kommunikation im Internet kennen und anhand ihrer Charakteristika entscheiden können, welche Kommunikationsform in welcher
Situation geeignet ist.
- Webdesigner müssen Ahnung von der psychologischen Wirkung von Hypertexten und Hyperlinks haben:
Hypertexte als Form nichtlinearer Texte sind die grundlegende Textform für Webseiten. Lineare Texte, wie man sie aus
Printmedien kennt, sind eher die Ausnahme. Aus diesem Grund sind Webdesigner angehalten, sich mit dem psychologisch
sinnvollen Aufbau von Hypertexten Gedanken zu machen. Dazu gehört auch der sinnvolle Einsatz von
Hyperlinks.
- Webdesigner müssen wissen, wie man Grafiken sinnvoll auf Webseiten einsetzt: Webdesigner
müssen keine Grafiker sein. Wenn sie Grafiken brauchen, können sie auch mit Grafikern zusammenarbeiten. Informationen
auf Webseiten bestehen nach wie vor überwiegend aus Text. Manchmal ist aber natürlich auch der Einsatz von Grafiken, z. B. in Form von Diagrammen, sinnvoll. Wenn Grafiken zum Einsatz kommen sollen, so sollten
Webdesigner wissen, wie man eine Grafik in eine Webseite integriert, ohne deren Benutzerfreundlichkeit und
Barrierefreiheit allzu sehr einzuschränken. Wenn sie selbst Grafiken entwerfen, sollten sie darauf achten, daß die eingesetzten Grafiken die Informationen übermitteln, auf die es dem Webseitenbetreiber ankommt.
- Webdesigner sollten die Grundlagen des barrierefreien Webdesigns beherrschen: Die barrierefreie
Gestaltung von Webseiten rückt immer mehr in den Vordergrund. Viele Webseiten, insbesondere der öffentlichen Hand, müssen mittlerweile
barrierefrei sein, weil gesetzliche Vorgaben dies so vorschreiben. Webdesigner kommen daher nicht umher, sich in Zukunft auch mit der Gestaltung barrierefreier
Webseiten zu befassen.
- Webdesigner müssen über den Sinn und Unsinn des Einsatzes von Scriptsprachen und proprietären Technologien
informiert sein: Der Einsatz von Scriptsprachen wie JavaScript, PHP oder ASP und proprietären Technologien wie
Flash oder ActiveX erfreut sich auf Webseiten zunehmender Beliebtheit. Es gibt jedoch viele Fälle, in denen der Einsatz
dieser Technologien eher von Nachteil ist. Webdesigner müssen daher ganz genau wissen, wann der Einsatz dieser
Technologien sinnvoll ist und wann nicht.
- Webdesigner müssen wissen, wie Texte für Webseiten zu schreiben oder aufzubereiten sind: Viele
Texte auf Webseiten sind gar nicht für Webseiten geeignet. Für Webtexte gibt es spezielle Kriterien. Diese Kriterien
sollte ein Webdesigner beherrschen.
- Webdesigner müssen über Fragen der Sicherheit von Webseiten Bescheid wissen: Wie bereits
erwähnt, bleibt es bei der Gestaltung von Webseiten in vielen Fällen nicht beim Einsatz von XHTML und CSS. Schon der Einsatz von Formularen verlangt unter Umständen den Einsatz anderer Technologien. Oftmals werden
JavaScript, PHP oder andere client- oder serverseitige Scriptsprachen oder andere Technologien wie Flash oder ActiveX
verwandt, um Webseiten mit Funktionen auszustatten, die XHTML nicht bietet. Dies bringt nicht selten
Sicherheitsprobleme mit sich. Webdesigner brauchen daher unbedingt Kenntnisse über die sichere Programmierung solcher
Funktionen. Wenn sie Datenbanken verwenden, müssen sie sich auch mit Sicherheitsrisiken und deren Vermeidung in diesem Zusammenhang auskennen. Auch über aktuelle Sicherheitslücken in den wichtigsten Browsern sollten sie
informiert sein.
- Webdesigner müssen auf jeden Fall neben technischem Sachverstand auch soziale Fertigkeiten für die Kommunikation und den Umgang mit Kunden
mitbringen: Wer beruflich als Webdesigner zu tun hat, arbeitet in der Regel direkt mit Kunden zusammen. Es
reicht daher nicht aus, gute Kenntnisse über die technische Umsetzung von Webseiten vorweisen zu können. Webdesigner
müssen ihre Kunden auch beraten können. Sie sollten in einfachen, verständlichen Worten erklären können, warum sie zu
einer bestimmten Vorgehensweise raten oder von einer anderen abraten. Sie sollten dem Kunden vermitteln können, was sie wie tun und warum sie etwas tun.
- Webdesigner müssen die rechtlichen Aspekte ihres Berufs kennen: Als Webdesigner hat man nicht nur mit technischen Fragen zu tun, sondern muß sich auch intensiv mit rechtlichen Fragen
auseinandersetzen. Webdesigner müssen n der Lage sein, Anbieterkennzeichnungen und Datenschutzerklärungen auf Webseiten gesetzeskonform umzusetzen. Sie sollten ihre Kunden auf mögliche Urheberrechtsverletzungen bei
der Verwendung fremder Texte und Medien hinweisen können. Dazu ist auch ein Verständnis von Lizenzbestimmungen für verwendete fremde Materialien notwendig. Beim Einsatz von unter der GNU General Public License (GPL)
lizenzierter Software für eigene Projekte sollten sie über die möglichen Folgen des Einsatzes GPL-lizenzierter Programme in eigener Software Bescheid wissen. Last but not least sollten Webdesigner natürlich auch ihre
eigenen Rechte im Vertragsverhältnis zum Kunden kennen. Dies umfaßt insbesondere, aber nicht ausschließlich Urheberrechtsfragen. Natürlich kann und soll ein Webdesigner in Streitfällen nicht den Fachanwalt ersetzen
und darf selbstverständlich auch keine verbindliche juristische Beratung machen. Aber um frühzeitig Schäden von Kunden abzuwenden, sind juristische Kenntnisse auch für Webdesigner unbedingt notwendig.
Darüber hinaus gibt es jedoch auch einige Dinge, die landläufig von Webdesignern erwartet werden, die
diese aber nicht zwangsläufig als Fähigkeit mitbringen müssen:
- Webdesigner müssen keine Grafiker sein: Grafiken werden zwar auf Webseiten immer wieder
eingesetzt. Diese zu entwerfen, ist aber meiner Meinung nach nicht die Aufgabe des Webdesigners. Es spricht nichts dagegen, wenn ein
Webdesigner dazu in der Lage ist. Aber er sollte ebenso die oben genannten Dinge beherrschen und vor allem
beherzigen. Viele Webdesigner gehen jedoch bei der Webseitenerstellung aus der Sicht eines Grafikers an die Sache heran
und überfrachten Webseiten mit Grafiken oder erstellen sie sogar rein grafisch. Dies ist sicher die falsche
Vorgehensweise, denn Informationen auf Webseiten sind in erster Linie mittels in XHTML und CSS dargestelltem Text zu
präsentieren. Grafiken können Texte lediglich sinnvoll ergänzen. Das Gleiche gilt für Hintergrundmusik. Daher muß
ein Webdesigner auch nicht komponieren können.
- Webdesigner müssen kein Flash beherrschen: Mittlerweile sind rein in Flash erstellte Webseiten
sehr in Mode gekommen. Viele Webdesigner sind der Meinung, nur eine in Flash erstellte Webseite sei eine gute Webseite.
Daß dem nicht so ist und daß die Verwendung von Flash viel mehr Nachteile als Vorteile mit sich bringt, erläutere ich
in dem Artikel über gute Webseiten. Das primäre Handwerkszeug für den
Webdesigner besteht aus XHTML und CSS, nicht aus Flash!
In meiner Arbeit versuche ich, diesen Kriterien gerecht zu werden. Wenn Sie Fragen zu meiner
Arbeitsweise haben oder sich für eine konkrete Umsetzung einer Idee interessieren, so können Sie gern Kontakt aufnehmen. Wenn Sie aus Heidelberg oder Umgebung kommen, so ist auch
ein Termin vor Ort schnell und problemlos möglich. Ich nehme aber auch Aufträge aus ganz Deutschland und aus dem Ausland
an. Auch in diesen Fällen kann ein Termin vor Ort nach Absprache vereinbart werden.