Im ersten Teil unserer Expertenbefragung zur Hommingberger Gepardenforelle sprachen wir mit Baldo Boblin, einem Hommingberger Zoologen, der fest von der Existenz der Gepardenforelle überzeugt ist. Als Grund für seine Überzeugung führte er vor allem einen Bericht seiner Ururgroßmutter Carla Boblin an. Wir befragten daraufhin den als kritischen Denker bekannten Hobbinger Historiker Grimbald nach seiner Meinung zu den Erlebnissen der Carla Boblin. Er kommt zu einem gänzlich anderen Schluß als Baldo Boblin.
„Mit großem Interesse habe ich den Bericht Baldo Boblins zur angeblichen Sichtung der Hommingberger Gepardenforelle durch seine Ururoma Carla Boblin gelesen. Leider muß ich Baldo Boblin eindeutig widersprechen. Die Existenz der Hommingberger Gepardenforelle ist durch die Hommingberger Dorfchronik und die jüngsten Ereignisse keineswegs so eindeutig belegt, wie uns Boblin glauben lassen möchte. Meine Recherchen zu den damaligen Vorfällen in Hommingberg lassen mich ein gänzlich anderes Bild des Geschehens zeichnen.
Der entscheidende Punkt bei der ganzen Geschichte ist die Glaubwürdigkeit der Carla Boblin. Es ist allgemein bekannt, daß Carla gelegentlich unter Halluzinationen litt, während derer sie vor allem Fische sah. Bereits im Jahre 7 nach der Vernichtung des EINEN Ringes berichtete der Hommingberger Dorfarzt Dr. Bolo, daß er mitten in der Nacht zu Carla gerufen wurde, weil diese unter der aberwitzigen Vorstellung litt, auf dem Trockenen von einem Hecht angegriffen zu werden. Auch in der Folgezeit gab es derartige Vorfälle. All diese Ereignisse sind in den Tagebüchern des Dr. Bolo verzeichnet, die jedermann in der Hommingberger Bibliothek finden und sich zu Gemüte führen kann. Natürlich bedeutet diese Vorerkrankung Carlas nicht, daß sie sich die Begegnung mit der Hommingberger Gepardenforelle auch eingebildet hat. Doch die geschilderten Vorfälle machen dies durchaus wahrscheinlich.
„Aber“, werden Sie mir jetzt vorhalten, „aber da gibt es doch noch den eindeutigen Bericht des Experten, der die Bißspuren und Fellrückstände an der Leiche des Hommingberger Bürgermeisters eindeutig als die eines Geparden identifiziert hat, obwohl es in Hommingberg und im ganzen Auenland keinerlei Geparden gibt. Ist es nicht naheliegend, daß diese Spuren von der Hommingberger Gepardenforelle kommen?“ Ich meine nein.
Natürlich: Ausschließen kann auch ich nicht, daß tatsächlich eine Gepardenforelle wie Boblin sie schildert, für den Tod des Bürgermeisters verantwortlich ist. Aber ich glaube es nicht, weil es keinen sicheren Beweis für die Existenz dieses Tieres gibt. Sicher wird Ihnen das nicht reichen, und Sie werden mich nach einer anderweitigen Erklärung für den Tod des Hommingberger Bürgermeisters fragen. Nun, eine solche Erklärung kann ich Ihnen vielleicht liefern. Es ist zwar richtig, daß es im gesamten Auenland keine freilebenden Geparden gibt. Aber dennoch habe ich einen hochinteressanten Bericht gefunden, der belegt, daß ungefähr zwei Wochen vor dem Tode des Hommingberger Bürgermeisters ein Gepard aus dem Hobbinger Zoo ausgebrochen ist. Da vor 200 Jahren Nachrichten noch wesentlich länger brauchten, um von Hobbingen nach Hommingberg zu kommen, erreichte diese Nachricht die Hommingberger Bürger vielleicht nicht rechtzeitig, vielleicht auch niemals. Aber wir wissen heute davon, und ich finde es wesentlich plausibler, anzunehmen, daß der Hommingberger Bürgermeister von diesem Geparden getötet wurde und nicht von einer Gepardenforelle.
„Doch wie kam die Leiche auf den Grund des Sees?“ werden Sie fragen. Nun, vermutlich wurde der Bürgermeister am Ufer von dem Geparden angegriffen und stürzte nach einem erbitterten Kampf ins Wasser, wo er verstarb, in die Mitte des Sees getrieben wurde und dort versank. Da sein Boot zu diesem Zeitpunkt nicht mehr angebunden war, trieb es vermutlich in die gleiche Richtung und wurde daher ebenfalls mitten auf dem See gefunden. Diese Erklärung, auch wenn sie sich vielleicht weit hergeholt anhört, ist wesentlich wahrscheinlicher als die Existenz der Hommingberger Gepardenforelle.
„Ja, aber was ist mit dem neuesten Bericht des Anglers? Hat er sich das auch alles nur eingebildet?“ werden Sie mich jetzt sicher fragen. Ich bin mir sicher, daß der Angler als Einwohner Hommingbergs über die Legende der Hommingberger Gepardenforelle Bescheid wußte. Nun wissen wir aber auch, daß durch die zunehmende Verschmutzung des Hommingberger Sees einige Tiere bereits mutiert sind und größer werden als in früheren Tagen. Dies läßt die Vermutung zu, daß der Hommingberger Angler von einer solchen mutierten Forelle angegriffen wurde und diese dann von dem Angler aufgrund der Legende für die Hommingberger Gepardenforelle gehalten wurde. Dies ist meine Erklärung der Geschehnisse rund um die sogenannte „Hommingberger Gepardenforelle“, und ich bin der festen Überzeugung, daß eines Tages die Wahrheit in meinem Sinne ans Licht kommen wird!“
Dies war die Expertenmeinung des kritischen Historikers Grimbald zu den Geschehnissen um die Hommingberger Gepardenforelle. Nun, liebe Leser, unterschiedlicher können die Einschätzungen zu den Ereignissen der letzten Tage auf dem Hommingberger See wohl wahrlich nicht sein. Gibt es sie nun, die Hommingberger Gepardenforelle, oder sind das alles nur Hirngespinste? Bilden Sie sich Ihre eigene Meinung zu dem Thema und schreiben Sie sie uns unter dem Stichwort „Hommingberger Gepardenforelle“! Alle Zuschriften werden auf dieser Webseite veröffentlicht!
last modified: 12/23/2007 by DeinWeb